28 Sep. 2026

Armierungsgewebe verschwindet unter dem Putz – und trägt dennoch wesentlich dazu bei, dass Fassaden und Wände rissarm bleiben. Gerade weil man das Gewebe später nicht mehr sieht, lohnt sich ein genauer Blick auf die Qualität. In diesem Beitrag erklären wir allgemein, welche Eigenschaften bei Glasfasergewebe für die Armierung geprüft werden, was Kennwerte wie Flächengewicht oder Reissfestigkeit bedeuten und worauf Sie beim Kauf achten können.

Warum Qualität beim Armierungsgewebe so wichtig ist

Das Gewebe wird in Armierungsmörtel eingebettet und nimmt Zugspannungen auf, die in der Putzschicht entstehen, etwa durch Temperaturwechsel oder kleine Bewegungen des Untergrunds. Ein Gewebe, das ungleichmässig gefertigt ist, zu wenig Zugkraft aufnimmt oder im alkalischen Mörtel an Festigkeit verliert, kann diese Aufgabe nur eingeschränkt erfüllen. Und weil das Gewebe im Putz verschwindet, lassen sich Mängel später kaum noch korrigieren, ohne die Schicht wieder zu öffnen.

Wo und wie Armierungsgewebe eingesetzt wird, erklären wir im Beitrag Armierungsgewebe: Wofür wird Glasfasergewebe im Bau verwendet?

Was bei Armierungsgewebe typischerweise geprüft wird

Welche Prüfungen konkret durchgeführt werden, legen die Hersteller und die jeweiligen Systemvorgaben fest. Die folgenden Kriterien gehören bei Glasfasergewebe für Verputz und Kompaktfassaden allgemein zu den wichtigsten.

Rohstoffe: Glasgarn und Beschichtung

Ausgangspunkt sind die Glasfasern beziehungsweise das Glasgarn. Für den Einsatz in mineralischen Mörteln ist alkalibeständiges Glas (AR-Glas) üblich. Häufig erhält das Gewebe zusätzlich eine alkalibeständige Beschichtung, die die Fasern schützt und die Maschen stabil hält. Geprüft wird unter anderem, ob Rohmaterial und Beschichtung den vorgesehenen Anforderungen entsprechen.

Flächengewicht (g/m²)

Für das Flächengewicht wird eine Probe definierter Grösse gewogen. Der Wert gibt einen ersten Hinweis auf die Gewebeklasse und muss zum vorgesehenen Putz- oder Dämmsystem passen. Für Standardanwendungen sind zum Beispiel Gewebe mit rund 160 oder 165 g/m² verbreitet. Massgebend bleiben aber immer die Vorgaben des jeweiligen Systems.

Maschenweite und Gleichmässigkeit

Die Maschenöffnungen werden in Kett- und Schussrichtung ausgemessen. Die Maschenweite beeinflusst, wie gut der Mörtel das Gewebe durchdringt und umschliesst. Gleichmässige Maschen sind zudem ein Hinweis auf eine saubere Fertigung.

Reissfestigkeit und Dehnung

Bei der mechanischen Prüfung werden Gewebestreifen im Zugversuch belastet. Ermittelt wird, welche Kraft das Gewebe in Kett- und Schussrichtung aufnimmt, meist bezogen auf eine bestimmte Streifenbreite. Ebenfalls von Bedeutung ist, wie stark sich das Gewebe dehnt, bevor es versagt.

Alkalibeständigkeit und Restfestigkeit

Zementgebundene Mörtel sind alkalisch. Bei Armierungsgewebe wird deshalb häufig auch geprüft, wie viel Festigkeit das Gewebe nach einer Lagerung in alkalischer Lösung noch behält. Ein deutlicher Festigkeitsverlust wäre ein Hinweis darauf, dass das Gewebe im Putz auf Dauer nicht zuverlässig arbeitet.

Verschiebefestigkeit und Formstabilität

Ein gutes Armierungsgewebe verzieht sich beim Verarbeiten nicht: Die Maschen bleiben an ihrer Position (verschiebefest), das Gewebe liegt plan, und die Kanten sind gerade.

Chargenkontrolle und Kennzeichnung

Produziert wird in Chargen. Bei der Chargenkontrolle werden Stichproben aus der laufenden Produktion geprüft, damit die Kennwerte von Rolle zu Rolle vergleichbar bleiben. Rollen sind häufig mit Produktbezeichnung, Flächengewicht und Chargennummer gekennzeichnet, was die Rückverfolgung erleichtert.

Was Sie als Verarbeiter selbst prüfen können

Auch ohne Prüflabor lässt sich vor der Verarbeitung einiges kontrollieren:

  • Etikett und Datenblatt: Gleichen Sie Angaben wie Alkalibeständigkeit und Flächengewicht mit den Vorgaben Ihres Putz- oder Dämmsystems ab.
  • Sichtprüfung: Die Rolle sollte unbeschädigt sein, mit gleichmässigen Maschen, ohne Falten oder ausgefranste Kanten.
  • Kennzeichnung: Notieren Sie Produktbezeichnung und Chargennummer, falls später Rückfragen entstehen.
  • Lagerung: Trocken und frostfrei lagern und vor Hitze sowie direkter Sonne schützen.
  • Systemvorgaben: Bei Putz- und Dämmsystemen legen Hersteller oft fest, welche Gewebe zulässig sind.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich ein qualitativ gutes Armierungsgewebe?
An gleichmässigen Maschen, einer sauberen Kennzeichnung, klaren Angaben zu Alkalibeständigkeit und Flächengewicht und an der Übereinstimmung mit den Vorgaben Ihres Systems.

Ist ein schwereres Gewebe automatisch besser?
Nein. Entscheidend ist, dass Gewebe, Mörtel und Putz zusammenpassen und die Herstellerangaben eingehalten werden.

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Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick. Massgebend sind stets die Angaben des Herstellers und des jeweiligen Systems.

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