17 Okt. 2026

Ob im Bad, am Fenster oder an der Fassade: Fugen müssen dicht sein und gleichzeitig Bewegungen der Bauteile aufnehmen. Wer den falschen Dichtstoff wählt, hat schnell Risse, Ablösungen oder Schimmel in der Fuge. In diesem Beitrag erfahren Sie, worin sich Silikon, Acryl und elastische Hybrid-Dichtstoffe unterscheiden, welcher Dichtstoff zu welcher Fuge passt und wie Sie beim Fugen abdichten typische Fehler vermeiden.

Warum Fugen überhaupt abgedichtet werden

Fugen sind gewollte Unterbrechungen zwischen zwei Bauteilen. Sie entstehen zum Beispiel zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk, zwischen Wand und Boden oder zwischen Fassadenelementen. Weil sich Materialien bei Temperaturwechseln, Feuchtigkeit oder Belastung unterschiedlich bewegen, muss der Dichtstoff in der Fuge diese Bewegungen dauerhaft mitmachen – und gleichzeitig Wasser, Luft und Schmutz fernhalten.

Man unterscheidet grob zwei Arten:

  • Anschlussfugen mit geringer Bewegung, etwa zwischen Türzarge und Wand
  • Bewegungsfugen, die grössere Dehnungen aufnehmen müssen, etwa an Fassaden oder in Bodenplatten

Silikon: der Klassiker für Bad und Küche

Silikondichtstoffe sind sehr elastisch, wasserabweisend sowie UV- und witterungsbeständig. Sie eignen sich besonders für Sanitär- und Nassbereiche, Glas und glatte Oberflächen. Der wichtigste Nachteil: Silikon ist nicht überstreichbar.

Für Bad, Dusche und Küche ist ein Sanitärsilikon mit Schimmelschutz die richtige Wahl. Sikasil® C ist ein neutral vernetzendes Silikon für Bau und Sanitär, das in vielen Farbtönen erhältlich ist. Bei Naturstein ist Vorsicht geboten: Hier sollten Sie ein Silikon wählen, das ausdrücklich für Naturstein geeignet ist, damit keine Ränder oder Verfärbungen entstehen.

Acryl: für Maler und Innenausbau

Acryldichtstoffe sind die erste Wahl, wenn die Fuge später überstrichen werden soll. Sie haften gut auf porösen Untergründen wie Putz, Mauerwerk, Beton, Gipskarton und Holz und lassen sich einfach verarbeiten. Dafür sind sie weniger elastisch als Silikon und eignen sich nur für Fugen mit geringer Bewegung.

Typische Einsatzbereiche sind Anschlussfugen an Fenster- und Türrahmen im Innenbereich, Risse in Wand und Decke oder Fugen zwischen Wand und Treppe. Sikacryl®-200 ist ein hochwertiger Acryl-Dichtstoff für innen und aussen, der nach dem Aushärten überstrichen werden kann. Für Nassbereiche, die ständig Wasser ausgesetzt sind, ist Acryl dagegen nicht geeignet.

Elastische Hybrid- und PU-Dichtstoffe: für Bewegungsfugen

Wo Fugen stärkere Bewegungen aufnehmen müssen, kommen elastische Dichtstoffe auf Basis von Polyurethan oder Hybrid-Polymeren zum Einsatz. Sie verbinden gute Elastizität mit hoher Haftung auf vielen Baustoffen und sind meist überstreichbar. Typisch sind Fassadenfugen, Anschlussfugen an Fenstern aussen, Fugen zwischen Fertigteilen oder Bodenfugen.

Ein vielseitiger Vertreter ist Sikaflex®-402 Connection, ein Hybrid-Fugendichtstoff für Bewegungs- und Anschlussfugen. Für stark belastete Bodenfugen gibt es spezielle PU-Dichtstoffe, die zusätzlich mechanischer Beanspruchung standhalten.

So bauen Sie eine Fuge richtig auf

Auch der beste Dichtstoff hält nur, wenn die Fuge richtig vorbereitet ist. Die wichtigsten Schritte:

  1. Untergrund vorbereiten: Die Fugenflanken müssen sauber, trocken, tragfähig sowie frei von Staub, Fett und alten Dichtstoffresten sein. Je nach Untergrund ist ein Primer nötig.
  2. Hinterfüllen: Bei tieferen Fugen wird zuerst ein Hinterfüllprofil eingelegt, zum Beispiel Sika® Rod-16. Es begrenzt die Fugentiefe und verhindert, dass der Dichtstoff am Fugengrund haftet. So haftet er nur an den beiden Flanken und kann sich frei dehnen – man spricht von der Vermeidung der Dreiflankenhaftung.
  3. Richtig dimensionieren: Die Fugentiefe richtet sich nach der Fugenbreite. Halten Sie sich an die Angaben im Produktdatenblatt des jeweiligen Dichtstoffs.
  4. Abkleben: Kreppband entlang der Fugenränder sorgt für saubere Kanten.
  5. Einbringen und glätten: Den Dichtstoff blasenfrei einspritzen und mit einem Fugenspachtel und einem passenden Glättmittel anpressen und abglätten. Danach das Klebeband sofort entfernen.

Häufige Fehler beim Fugen abdichten

  • Acryl im Nassbereich: Acryl ist nicht dauerhaft wasserfest – im Duschbereich gehört Silikon in die Fuge.
  • Silikon unter Farbe: Silikon lässt sich nicht überstreichen. Soll gestrichen werden, ist Acryl oder ein überstreichbarer Hybrid-Dichtstoff die bessere Wahl.
  • Dreiflankenhaftung: Ohne Hinterfüllprofil reisst der Dichtstoff bei Bewegung schneller.
  • Zu dünne Fugen: Eine zu geringe Fugentiefe führt zu Abrissen an den Flanken.
  • Alte Reste überdecken: Neuer Dichtstoff haftet nicht zuverlässig auf altem Silikon. Alte Fugen vollständig entfernen und reinigen.

Fazit

Die richtige Wahl hängt von der Fuge ab: Silikon für Bad, Küche und Glas, Acryl für überstreichbare Fugen mit geringer Bewegung und elastische Hybrid- oder PU-Dichtstoffe für Bewegungsfugen an Fassade und Boden. Mit sauberem Untergrund, Hinterfüllprofil und sorgfältigem Abglätten bleibt die Fuge über viele Jahre dicht.

Sie wissen nicht, welcher Dichtstoff zu Ihrer Fuge passt? Senden Sie uns ein Foto per WhatsApp an +41 76 673 27 13 oder per E-Mail an service@i-bau.ch – wir beraten Sie gerne.

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